Sternstunden

Nachdem ich mich neulich mit den riesigen und nur schwer vorstellbaren Zahlen, Massen und Summen von allerhand großen und kleinen Objekten, flüssigen und festen Materialien, Gütern und Rohstoffen und sonstigen in Zahlen gefassten Gegebenheiten beschäftigt habe, möchte ich mich nun erneut den riesigen Dingen widmen.


Zahllose, gewaltige Objekte, deren bloße Größe unser Vorstellungsvermögen bei weitem übersteigt, obwohl sie auf den ersten Blick doch so winzig aussehen.
Ich spreche von den Sternen. Es gibt zwar Unmengen davon, aber keinesfalls unendlich viele. Das jedenfalls ist die Theorie. Wir sehen hunderte von ihnen und doch nur einen Bruchteil. Beim Blick in den Nachthimmel denken wir meistens nicht daran, dass die meisten der kleinen, leuchtenden und manchmal flackernden Punkte Sonnen sind. Sonnen, die weit, weit weg von unserem Planeten, unserem Sonnensystem, gar unserer Galaxie sind. Sonnen, die so gigantisch sind, dass sie unsere Sonne im Vergleich wie ein Staubkorn wirken lassen.

Die Erde würde etwa eine millionen Mal in unsere Sonne passen und stellt somit selbst nicht mehr (eher weniger) als einen Nadelkopf im Universum dar. Wenn man sich aber die Dimensionen der roten Riesen vor Augen führt, oder das Ausmaß der größten, bekannten Sonne, repräsentiert selbst unsere Lebensquelle, Helios, nicht viel mehr als ein einziges Glühwürmchen in der Nacht.

Sonne
„Die Astronomie zwingt die Seele, nach oben zu schauen und führt sie in eine andere Welt.“
– Platon

Mir gefällt dieser Satz von Platon sehr gut, scheint er doch voller Wahrheit zu stecken. Seit der Mensch existiert, faszinieren und beschäftigen ihn die Sterne. Es wundert mich kaum, dass wir mehr über sie, als über unsere Ozeane wissen. Umso mehr verwundert es mich jedoch wie viel (und letztlich wenig) wir doch über die Sterne und den Kosmos wissen. Astrophysik sprengt zwar den Rahmen meines logischen Denkens, aber ich bin seit Jahren von diesem Feld der Wissenschaft fasziniert. Die Entstehung unseres Universum, die Planeten, Nebel und Galaxien. Sonnensysteme, dunkle Materie, die enormen Distanzen. Für mich sind all diese Dinge nahezu mystisch. Obwohl sie natürlichen Ursprungs sind, scheint sie doch eine gewisse Magie zu umgeben, weil wir sie nicht immer verstehen und diesen Ursprung nicht hunderprozentig kennen.

Die Ausmaße des Weltraums machen mir immer wieder bewusst, wie winzig unser Planet ist. Milliarden Jahre vergehen ohne, dass wir Einfluss auf sie nehmen. Die Sonnen, von denen viele schon verglüht sind und ihr Licht noch immer zu uns wandert, brennen mit unbändiger Kraft. Unsere Existenz ist nichts als ein vorbeifliegender Sonnenwind, der sich im Weltall verliert. Eine Supernova, ein schwarzes Loch, die Geburt eines Sterns. All das sind Wunder, denen eine unbekannte Schöpfung voraus geht. Allein das Wissen über diese astronomischen Ereignisse macht es mir schwer an irgendwelche von Menschen erfundenen Gottheiten zu glauben. Um genau zu sein frage ich mich oft, warum wir nicht einfach hinsehen. Warum wir das Göttliche nicht wahrnehmen und stattdessen abstruse Geschichten über unseren Sinn und unsere Entstehung schreiben und predigen. Diese Allmacht, die über uns steht und von uns unbeeinflusst Leben schenkt und nimmt existiert schon lange und wird es auch noch lange nach uns tun. Es ist aber kein Mann mit Zauberstaub, der auf Wolken umherwandelt. Es sind kosmische Zusammenhänge. Explosionen und Feuer, die milliarden Jahre brennen. Es sind mächtige Gesteine und Gravitationsfelder. Elemente, die durch das schwarze Nichts verstreut werden.
Keine prunkvollen Götzen, die angebetet werden wollen. Unsere Schöpfung ist reiner Zufall, oder das Ergebnis einer lebensraumschaffenden Konstellation. Die richtige Dichte. Die optimale Umlaufbahn um einen Stern. Wasser.
Wem diese Kraft der Schöpfung, und sei sie noch so willkürlich und unbestimmt, nicht als Ursprung seines Lebens genügt, verschließt seine Augen vor den Wundern, die wirklich über seinem Kopf passieren.

In etwa 5 Milliarden Jahren wird unsere Sonne ihr gesamtes Helium verbrannt haben und im Inneren einen Kern aus Eisen bilden. Sie wird sich ausdehnen bis sie unseren Planeten fast berührt und dessen komplette Oberfläche in flüssiges Magmar verwandelt. Venus und Merkur werden von der Sonne geschluckt und gänzlich vernichtet. Alles Leben auf dem blauen Planeten endet. Jede Erinnerung.

Allein dieser Prozess, die Supernova, dauert milliarden Jahre und die millionen Jahre von Brennphase zu Brennphase, bis die Sonne zu einer erdgroßen Kugel zusammenschrumpft ist, erscheinen nur noch wie kleine Schritte. Am Ende bleibt ein weißer Zwerg, der einst unzählige Leben schenkte und genauso auch wieder genommen hat.
Und Ihr braucht noch einen Gott? Eine Sintflut? Ich bitte Euch.

Mich beeindrucken besonders die simplen Größenvergleiche der Planeten, die ich hier nochmal aufführe. Von Massen, Dichten und Energien ganz zu schweigen.




Bekannterweise ist ein Blick hinauf zu den Sternen ein Blick in die Vergangheit. Der Himmel ist also tatsächlich eine Art Tor und wir vermögen vieles nur durch Beobachten und Analysieren zu deuten und zu verstehen. Selbst dieses Wissen und die Erkenntnis, die uns die moderne Astronomie beschert ist für mich ein großes Rätsel, weil ich nichts davon verstehe und mich frage, wer diese Menschen sind, die all das herausfinden. Ihre Erklärungen sind für die Mehrheit der Menschen nicht einleuchtender, als die komplexen Abläufe selbst, die sie verständlich machen sollen. Diese Tatsache verschafft der Wissenschaft, im übertragenen Sinne, schon fast den Status eines hohen Priesters.
Zu erwähnen sind natürlich auch die Menschen, die schon ohne die Raumfahrt, elektronische und hochpräzise Hightech-Geräte den Weltraum erkundeten und uns vom absurden Irrglauben befreiten. Newton, Galilei, Kopernikus.
Dass die Erde keine Scheibe ist, ist heute selbstverständlich. Früher war es eine Vorgabe der Kirche. Glücklicherweise konnte sich die Intelligenz und somit auch die Wahrheit gegen die Verblendung, Leichtgläubigkeit und Manipulation durchsetzen. Hoffentlich wird sie es auch weiterhin tun. Möglicherweise wird die Wissenschaft irgendwann die Religion ersetzen. Ob das den Mensch umsichtiger machen würde, weiß ich nicht.

Ich persönlich wollte als Kind jedenfalls nie Astronaut werden.

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3 Antworten zu Sternstunden

  1. Badewannenfreund schreibt:

    Die Frage nach dem was die Menschheit schon seit Jahrhunderten als Gott deklariert, erübricht sich in meinen Augen, wenn man beginnt zu fragen warum.
    Wir wissen es nicht und vielleicht werden wir es auch nie erfahren. Nach der ewigen Suche nach etwas was der Mensch vermutlich nie in der Lage sein wird zu beweisen, bleiben ihm doch nur zwei alternativen, entwerder er glaubt oder er glaubt nicht. Auch wenn dies unsere Fragen nie beantworten wird und vielen vielleicht eine Zuflucht zu sein scheint, um sich vor der Komplexität des Seins zu verbergen und einen sicheren Hafen in einem scheinbar unsicheren Universum aufzusuchen.

    So wirft es mir immer wieder stets die Frage auf, wozu und warum?

    Ich weiß es nicht, aber je mehr ich darüber lese und mich mit dem Wesen der Physik und des Universums auseinanderzusetzen versuche, desto weniger glaube ich an eine quasi imannente paradoxi des Seins.

    Bei der Astrophysikern spalten sich die Gemüter, ebenso wie bei all den anderen Menschen auf diesem zugegebenermaßen mickrigen und doch so wundersamen Planeten.

    Letztendlich bleibt es einem jeden selbst überlassen wie er darüber zu urteilen vermag, auch wenn jedem einleuchtend sein sollte, dass der Ursprung allen Seins nicht mit einem Zauberstab auf einer Wolke um uns kreist und wie ein Großvater aussieht.

    Eine Passage die nicht nur mich zum Nachdenken angeregt hat, letztendlich ist alles Licht (Energie), wie auch immer man das verstehen mag.

    Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.
    Johannes 8,12

    • Monsieur Alo schreibt:

      Das mit dem Licht ist eine interessante Verbindung bzw. Überleitung zum Glauben.
      Und das Motiv des „Großvaters“ hätte ich auch fast aufgegriffen, aber dann doch verworfen, weil ich es nicht überstrapazieren wollte.
      Jetzt ist das Bild ja doch noch da 😉 danke!

  2. Monsieur Alo schreibt:

    Auch überwältigend:

    Die Entfernung von der Erde zu VY CMa beträgt etwa 1500 Parsec (5000 Lichtjahre, 47 Billiarden km).

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