Hier könnt ihr meine beiden Texte, die ich gestern während des Kosmischen Bla’s improetrisiert habe, nachlesen. Wir haben hart gelacht. Herzlichen Glückwunsch an die Gewinnerin Jule Weber! Die Lampe hole ich mir zurück.
Ausgesorgt
Ich hatte eigentlich immer den Plan, mit 30 ausgesorgt zu haben. Jetzt bin ich 25 und kann meine Miete immer noch nicht per Dauerauftrag überweisen, treibe umher im Schatten des Rotlichts, und in Urlaub geht es sowieso nur mit dem Billigflieger.
Mann, mit 30 ausgesorgt haben, wer hat davon noch nicht geträumt. Mal schnell ein Google oder Facebook erfinden. Alles kein Problem. Mal schnell im Lotto gewinnen, mal schnell was erben. Das wär’s!
Aber was kann ich denn schon? Programmieren: Fehlanzeige. Und im Lotto zu gewinnen, ist so wahrscheinlich wie von einem Hai mit Aids angegriffen zu werden, im Baggersee, in Hessen, ohne Badehose. Aber erben, das kann doch nicht so schwer sein. Ich meine, wenn ich eine Alte, also eine richtig, richtig alte, mit viel Geld, und mit Augen zu, und im Dunkeln, auf Chrystal Meth, nur ein, zwei Mal die Woche, und wir dann heiraten, dann, dann könnte es klappen.
Wenn ich jetzt aber die Schwester von Jopie Hesters erwische, und sie noch 48 Jahre mitmacht, nachdem wir an ihrem Achtzigsten geheiratet haben, dann hab ich vielleicht erst mit 78 ausgesorgt, bin völlig ausgesaugt, und rieche inzwischen selbst nach “altem Mensch”, während mir die Haare aus den Ohren wachsen. Die könnte ich mir dann vielleicht wenigstens über den Kopf kämmen. Aber nein, das bringt nichts, das muss schneller gehen. Aussorgen, aussorgen, mit Fanny May und den Lehman Brothers.
Investieren und spekulieren, mhhh… Spekulatius.
Vielleicht auch was illegales, CDs brennen und verkaufen. Mit Namen von Steuersündern! Oder ich gründe einen Staat in meinem Wohnzimme, und trete dann der EU bei. Dann lege ich einen Dauerauftrag an, wiege alle in Sicherheit, und wenn der Dauerauftrag platzt, bekomme ich Milliarden, ach was Billionen Euronen, Drachmen, Goldbarren, 100 Ferraris, einen Öltanker voller Kaviar, und mit dem fahre ich nach Somalia, lasse mich von Piraten entführen, werde freigekauft, schreibe ein Buch darüber oder einen Slam, und sage laut, “HA HA! VERARSCHT!”, während ich die 100 Ferraris einem Altenheim schenke.
Dann hätte ich ausgesorgt.
Für Holger
Ich mache mir Sorgen.
Kann Holger’s Haushalt wirklich derart geschmacklos ausgestattet sein? Ein Bärentatzensalatbesteck, das er sich mit seinem Bruder teilt? Ich mache mir Sorgen um Holger’s Frau, die heute Nacht ohne Pfefferspray allein nachhause muss, nur damit wir ein paar Minuten billigen Spaß haben, und das auch noch als Kunst verkaufen.
Nein, Holger, so geht das nicht. Du Schwein! Fass dir mal an die eigene Nase. Vor der Traumreise als Hauptpreis habe ich jetzt schon Angst. Vielleicht ein Kamikazeflug mit dir, während du dein Stirnband trägst, und laut BANZAI rufst, weil du dich seit 10 Jahren bei Takeshis Castle bewirbst, und nie eine Antwort erhälst, weil du nicht gemerkt hast, dass die Sendung gar nicht mehr läuft, und DSF inzwischen zu einem Erotikquiz-Sender geworden ist. Nein, Holger, so geht das wirklich nicht weiter. Deine Küchenuhr ist abgelaufen. Doch es gibt Hilfe für dich. Sie heißt Marc Strottner, und lädt dich zu einer mystischen Nacht im Whiskyrausch ein. In meinem Zimmer, im fahlen Licht der kleinen Lampe, die ich hier gewonnen habe.
Oh, Holger, es wird so schön. Am nächsten Morgen suchen wir uns dann eine richtige Arbeit, und kaufen uns eine kleine Blockhütte in Kanada. Dort jagen wir dann Bären und verkaufen dann Salatbestecke aus echten Bärentatzen, für die besondere Note an unserem delfinfreien Thunfischsalat. Oh, Holger, nimm mich mit. Es wird so schön.