Für die Anderen

In folgendem Gedicht geht es um Menschen, die ein Schattendasein in unserer Gesellschaft führen.

Du fängst die Blicke und jeder Blick fängt dich
Offenbarst dein Herz im schummrigen Licht
Redest von deinen Träumen, doch gehört wirst du nicht.

Sie stehn’ vor dir wie alte Gespenster
Und beobachten dich, wie die Oma am Fenster
Alt und jung, von allen Sorten
Du weißt wie es läuft, versteckst dich hinter den Worten.

Sie warten auf dich und du wartest auf sie
Wirst dann noch bewertet wie ein Stück Vieh.

Du musst sie berührn in jeder Nacht
Und am Ende wird doch dann meist nur gelacht.

Stellst dich kurz vor, und dann geht es los
Sie schauen dich an, und du fühlst dich groß
Denn die Meute wartet – und lechtzt nach Trost.

Sie kriegen Stumpfsinn und Liebe oder Tiefgang und Hiebe
Jeder kriegt was er mag nur, während du tickst wie die Parkuhr.

Ein paar Minuten, dann ist es zu Ende
Sie sind zufrieden und dir beben die Hände.

Es sind so viele, du kennst keine Namen
Sie kommen und gehen und manchmal auch Damen.

Warst du dann auch noch gut und hast sie entzückt
Dann haben sie Mut und kommen zurück.

Sie bezahlen für Spaß, aber du ziehst dich aus
Dein Herz springt wie Glas und dann gehn sie nachhaus.

Jetzt sitzt du da, wieder ganz alleine
Riechst noch nach Schweiß und zählst schon die Scheine.

Geschmeichelt, umgarnt, damit sie wiederkommen
Du hast die Hemmung verlorn’ und Beachtung gewonnen.
Und nur das wolln’ sie von dir
Du befriedigst die Gier
In einem Augenblick nicht im Jetzt, nicht im Hier.

In diesen Momenten gehört die Welt
Wirst von allen beäugt und stehst da wie bestellt
Fragst dich noch, ob es allen gefällt
Und wunderst dich dann, gehör ich mir selbst?

Dafür lieben sie dich und dafür liebst du sie
Aber richtige Liebe, das kanntest du nie.

Du hast ihnen alles erzählt, deinen Körper gequält, und ihre Hüllen beseelt
Nur weil du machst, was dir Macht gibt, bis jeder aufschaut und weg sieht.

Und so kommts’ das am Schluss
Trotz all der Gesichter und dem Gefühlsüberschuss
Nur noch eins existiert, plötzlich – illuminiert
Ist das, was bleibt, oft nur noch Selbstmitleid.

Das Licht geht aus, dein Dienst ist getan
Du willst nur noch raus, und verfällst diesem Wahn.

Deine Finger jucken, weil deine Gedanken zucken
Deine Lippen gespitzt, wollen die Worte ausspucken.
Auf einmal merkst du es, bist völlig schockiert
Du bist Poetry Slammer – Wie ist das nur passiert?

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