Sie und sie

Jeder Mann versprach ihr, sie zu lieben. Und jeder würde sie mehr und besser, ehrlicher und selbstloser lieben als die Anderen. Alle sagten, sie würden sie wirklich verstehen, in ihr Herz sehen und sie beschützen. Sie war die Einzige für Unzählige.

Sie würde sicher bei ihnen sein und könne ihnen vertrauen. Jedem Einzelnen.
Was einmal war, wäre vorbei und würde von nun an besser werden, und sie glaubte ihnen. Sie glaubte jedem. Den Starken, den Schwachen, den Ruhigen, den Lauten, den Einfachen und Komplizierten, denen mit Geld und denen ohne. Sie wollte jedes Wort glauben, und liebte die Hoffnung, die sie ihr gaben. Das Träumen überließ sie jedem, der sie festhielt, während sie schon lange schlief. Wer ihre Hand nahm, ergriff ihr Herz, wenn er es nur im richtigen Moment tat. Wenn sie schwach war, wenn sie alleine war, wenn sie in sich verloren ging.

Wann immer sie wenig sprach und ins Leere blickte, ließ sie andere sprechen. Die Augen weit und starr, vertraute sie blind, und manchmal, mitten in der Nacht, erzählte sie dann von sich, offenbarte ihre Geschichte. Gehemmt, als würde sie sie zum ersten Mal erzählen. Jedem einzelnen Mann. Immer wieder das Gleiche, so wie deren Antworten.

Nach Jahren erst, von denen sie nun glaubte, dass es nie ihre eigenen waren, fragte sie sich plötzlich zum ersten Mal: Wer hat wen belogen?

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